Follow by Email

Freitag, 25. März 2016

Auberge de l'Ill, Ilhaeusern - höchste Klassik in Vollendung

Die Auberge de l’Ill ist eine Restaurant-Legende und wird seit über 140 Jahren von der Familie Haeberlin geführt. Paul Haeberlin erkochte schon 1967 den dritten Michelin-Stern, den die Auberge seitdem hält. Er war einer der legendären grossen französischen Küchenchefs und wird in einem Atemzug mit Paul Bocuse genannt, mit dem er eng befreundet war.

Marc Haeberlin, der Sohn von Monsieur Paul, wie er von allen genannt wurde, führt bereits seit vielen Jahren das weltweit berühmte Restaurant. Klugerweise hat dieser die von seinem Vater erfundenen legendären Gerichte zwar verschlankt, doch glücklicherweise nicht von der Karte gestrichen. Mir ist Monsieur Pauls unnachahmliche "Mousseline de Grenouilles" noch immer in Erinnerung, obwohl es mittlerweile über 20 Jahre her sind, seit ich sie geniessen durfte.

Unser Tisch, an dem sechs erwartungsvolle, genusssüchtige Geniesser Platz nehmen dürfen:





In einem solchen Rahmen mag ich nicht über den kompletten Tisch hinweg fotografieren. Diskrete, unbemerkte Fotos sind lediglich vom direkt vor mir stehenden Teller möglich, daher zeige ich euch nur die von mir ausgewählten Gänge. Wir entscheiden uns gemeinsam gegen das Menu und wählen à la carte. Nach einer kleinen Parade von köstlichen Amuses bouches starte ich mit einem Klassiker aus der französischen Bistro-Küche: L’œuf en meurette version 2016 - pochiertes Ei in Rotweinsauce mit Hobel von Gänseleber

Ich habe dieses Gericht schon häufig in diversen Restaurants, auch in dessen Ursprungsregion im Burgund, bestellt, doch nirgendwo sonst bekam ich es in einer solchen Perfektion! Ich würde es immer und immer wieder hier bestellen. 

Es geht weiter mit dem Zwischengericht, einem weiteren Klassiker aus der Küche der Auberge de l'Ill: Le Homard Prince Vladimir. Glücklicherweise empfiehlt uns der Service bzw. bietet uns an, doch nur eine halbe Portion davon zu nehmen, denn diese Köstlichkeit ist gleichzeitig auch äusserst sättigend und eigentlich hätte ich mich nach dessen Genuss bereits zurücklehnen und nach Café und Digestif schauen können. Doch nun schaut her: voilà, der berühmte Hummer Prinz Vladimir:



wunderbar saftige aromatische Hummerstücke, serviert in einer cremigen Sauce, mit Cognac abgerundet.

Als Hauptgericht: La volaille de Bresse « Miéral » pochée en demi-deuil, petit chou farci, sauce Albuféra (cuisses et légumes du pot au feu vinaigrette aux truffes en 2ème service) pour deux personnes   
   


die in zwei Gängen servierte Bresse-Poularde von Miéral, in Halbtrauer pochiert, d.h. mit unter die Haut geschobenen Trüffelscheiben, als erster Gang die Brust, als zweites die Keulen - Geschmack und vor allem Saftigkeit grandios, da hätte gerne mal die Küchenbrigade von Monsieur Bocuse zum Anschauungsunterricht anreisen können:




Gang zwei des Geflügels, an dem wir leider nur noch picken können - der vorhergehende Prinz Vladimir hat uns völlig geschafft:



Die komplette Tischrunde streikt beim Dessert - bis auf Gerhard, denn er hat ja auch den Prinzen ausgelassen- und kommt somit in den Genuss des, nach seinen Worten, "besten Desserts, das er je in seinem Leben essen durfte" (und das besteht noch nicht einmal aus Schokolade? Unglaublich!)

Voilà, noch ein Klassiker aus der Küche der Haeberlins: 

La pêche Haeberlin



Pfirsich, Pistazieneis und eine der cremigsten Sabayons, die Gerhard je geniessen durfte.

Die Familie Haeberlin führt übrigens auch ein wunderbares Hotel, das von Marco Baumann, dem Schwager von Marc Haeberlin bereits seit vielen Jahren geleitet wird. Er ist Hotelier mit Leib und Seele. Zurzeit baut er ein Spa und fünf weitere Zimmer dem Hotels des Berges an. 




Nach unserem opulenten Mahl durchqueren wir lediglich den schönen Garten am Ufer der Ill, nehmen noch einen kleinen Digestif an der Bar des Hotels und sinken in die äusserst bequemen Betten. Der nächste Tag startet mit einem schön gedeckten Frühstückstisch, liebevoll umsorgt von der herzlichen Sandrine. Dieses Frühstück bei Monsieur Baumann hebt sich wohltuend von den mittlerweile in den meisten Hotels servierten Büffets ab. Ich bevorzuge die kleinen exquisiten am Tisch servierten Köstlichkeiten, die hier in Illhaeusern etwas ganz Besonderes sind: Orangen-Saft, hier natürlich frisch gepresst, feiner Kaffee oder Tee, hausgebackene Brötchen und Gebäck, eine Mini-Crème Brûlée, ein frischer Obstsalat mit in kleinste Würfel geschnittenem Obst, Käse aus Ribeauvillé, selbstgemachte Charcuterie, beste Butter, hausgemachte Confitures... einfach ein herrlicher Start in den Tag, wie ich ihn mir schöner nicht vorstellen könnte! 

Merci, Monsieur Baumann, pour votre hospitalité!







Kommentare:

  1. Das Essen klingt grandios, allerdings ganz überzeugt hast du mich mit dem Frühstück, das man sich aussuchen und an den Tisch servieren lassen kann. Mich zipfen die ganzen Frühstücksbuffets mittlerweile schon so an.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Susi, nicht nur aussuchen - alles wird einfach so serviert.... Grandios, nicht wahr?

      Löschen
  2. Doch - so lässt man/frau sich "Vor-Ostern" gefallen. Die Weine dazu werden bestimmt zum Festmahl passend ausgesucht/empfohlen worden sein. "Pas mal" !
    Schöne Ostern und sonnigheisse Grüsse aus "Fel!x-Land".

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Peter, ach, die Weine bzw. der Sommelier wären einen extra Post wert... Es handelt sich schliesslich um keinen geringeren als DIE Legende Serge Dubs!!! Schon alleine seinetwegen würde ich immer und immer wieder kommen.

      Löschen
  3. Ach, liebe Susanne,
    dieser Beitrag weckt sehr alte Erinnerungen! Wir waren drei Mal da, das erste Mal 1977 oder 78, zuletzt wohl vor 30 Jahren. Da waren wir jung, noch ohne Kinder und verrückt nach gutem Essen und haben jeden Bissen genossen. In keinem anderen Restaurant in dem wir waren hat die Atmosphäre, das Essen, der Service so wunderbar harmoniert wie dort. Ich erinnere mich an die beste Gänseleber ever, die besten Mille feuille (danach wusste ich, warum das so heißt) mit einer Zitronencreme, was sag ich, einem traumhaften Zitronenschaum und selbst so etwas "Einfaches" wie gepökelte Schweinebäckchen auf Linsen waren einfach göttlich. Hach, war das schön!! Auch Herr Dubs hab ich noch...sehr jung...und sehr kompetent vor den inneren Auge.
    Vielleicht sollte ich ein groooßes Schwein aufstellen, um auch mal wieder dort zu essen :)
    Danke für diese wunderbare Erinnerung
    Ulrike

    AntwortenLöschen
  4. Da muss ich unbedingt hingehen. Ich liebe das Elsass ohnehin schon, aber diese Bilder sind unglaublich. Danke vielmals.

    AntwortenLöschen