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Samstag, 2. März 2013

"Geheirade" - Mehlknödel - quenelles de farine et pommes de terre

Geheirade sind ein typisch saarländisches Gericht. Doch auch im benachbarten Elsass sind sie unter dem Namen quenelles de farine bekannt. Woher allerdings der Name "Geheirade" kommt, darüber ist man sich mal wieder nicht so ganz einig. 

Die einen meinen es käme von dem französischen Wort mariage = Hochzeit, Vermählung, auch das Vermählen, Vermischen von zwei unterschiedlichen Weinsorten ist damit gemeint und hier das Vermengen von zwei ursprünglich getrennt zu essenden Gerichten wie Mehlknödel und Kartoffeln.

Meine Mutter erzählte mir hierzu eine andere Geschichte: Zum Ende des Monats, wenn das zur Verfügung stehende Haushaltsgeld immer knapper wurde, brachte die sparsame Hausfrau "Geheirade" auf den Tisch des Hauses. Daher musste jede Frau, die heiraten wollte, dieses Gericht zubereiten können.

Welche Erklärung nun die richtige ist, kann ich Euch nicht sagen. Es ist sicherlich unumstritten, dass es sich um ein sehr preiswertes Gericht handelt. Darüberhinaus handelt es sich auch um ein sehr deftiges, nicht gerade kalorienarmes Essen. Mit einem Minimum an Kosten sollte ein Maximum an Sättigung und Kräftigung für die hart arbeitenden Männer, die im Saarland überwiegend im Bergbau und in der Stahlindustrie beschäftigt waren, erreicht werden.

Dafür war dieses Essen ideal: einfach in der Zubereitung, preiswert, sehr sättigend.




Nun, ganz so einfach ist die Zubereitung nicht - Kartoffeln kochen kann jeder (sollte man meinen), doch die Mehlknödel haben ihre Tücken. Der Teig sollte von der Konsistenz her so ähnlich wie Spätzle-Teig sein, doch etwas dicker. Und den Knödelchen beim Hineingleiten ins Wasser ihre richtige Form zu geben, ist auch nicht so ganz einfach. Der Löffel darf nicht zu heiss sein, sonst gleiten diese hinterlistigen Biester zu schnell ins Wasser und vermengen sich auf dem Topfboden zu einer Mehlpappe. Also, schnell und zügig arbeiten, am besten ein Gefäss mit Eiswasser neben sich stellen und den Löffel darin immer wieder abkühlen. 




ich nehme (für 2 Personen):

  • 250 g Mehl
  • ca. 200 - 250 ml Wasser (besser ist Mineralwasser mit starkem Kohlensäuregehalt)
  • 1 Ei
  • ca. 500 g Kartoffeln
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 2 Scheiben Toastbrot
  • 2 - 3 EL Butter
(evtl. noch Speck = im Saarland fetter, geräucherter Rückenspeck, ersatzweise geht auch Lardo, und ca. 150 ml Sahne)

und los gehts:

In einer Schüssel das Mehl, Ei, und nach und nach das Mineralwasser zu einem zähflüssigen Teig verarbeiten, (das kann man auch in der Küchenmaschine erledigen), etwas dicker als Spätzleteig. Ca. 30 Min. ruhen lassen. Hat man den Eindruck, der Teig sei zu wenig flüssig, lieber noch ein Schlückchen Wasser nachgiessen. 

In der Zwischenzeit das Toastbrot entrinden und in Würfel für Croutons schneiden 
(Wenn man die Geheirade mit Speckrahmsauce mag, ist es jetzt an der Zeit den Speck fein zu würfeln und in einer Pfanne auszulassen bis er schön knusprig ist. Das herausgetretene Fett abgießen. Mit Sahne aufgießen und leicht cremig einkochen lassen).

Die Kartoffeln schälen, der Länge nach in dicke Spalten schneiden und in kräftig gesalzenem Wasser garen.

Die Croutons in der Butter knusprig braten. Es sollte allerdings noch so viel Butter übrig bleiben, dass man die Geheirade damit übergiessen kann. Evtl. noch etwas Butter zusätzlich in der Pfanne schmelzen (denn darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an ;-) )

Für die Mehlknödel einen großen Topf mit Wasser aufstellen, wenn es kocht, kräftig salzen. Den Mehlknödelteig nochmals kräftig mit einem Holzlöffel schlagen, bis er Blasen bildet. Dann unter Zuhilfenahme von zwei Esslöffeln portionsweise ins Wasser gleiten lassen, dabei schnell arbeiten, damit alle ziemlich zeitgleich im Wasser landen. Die Mehlknödel müssen nicht unbedingt gleich groß sein, einfach so viel nehmen, wie auf einen Esslöffel passt. Sobald alle an die Wasseroberfläche gestiegen sind noch ca. 2 Min. nachziehen lassen. Dann mit einem Schaumlöffel herausnehmen, dabei gut abtropfen lassen und in einer vorgewärmten Schüssel abwechselnd mit den Kartoffeln einschichten. Mit den Croutons und der leicht gebräunten Butter übergießen. Oder die Speckrahmsauce darüber gießen. Dazu schmeckt ein grüner Salat. In vielen saarländischen Familien wird dazu auch eingekochtes Obst wie z.B. Mirabellen serviert, doch das ist nun wirklich Geschmackssache. 




Kommentare:

  1. Lecker dieses traditionelle Rezept! Sehr schön die Geschichte dazu. Lustig ist, ich hatte diese Woche auch gerade wieder mal mein heimatliches Kochen im Kopf und da gibt es auch "Mehlklis" auch nur Mehlklös genannt und die gibt es bei uns ohne Kartoffeln nur mit einer Specksoße. Jetzt werde ich Deine Version probieren, noch ist es ja kalt und da schmeckt das besonders gut. Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Ingrid

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    1. Dann gibt es bei Euch wahrscheinlich die im Elsass übliche Version.
      Dir auch ein schönes Wochenende und ein bisschen Sonnenschein!

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  2. Äääähm, also ich glaube, das wär nicht soooo meins. Kartoffeln und Teigzeugs, ne - das geht für mich irgendwie nicht. Ich mag auch keine Älplermagronen.
    Meine Grossmutter hatte früher immer Knöpfli mit Kartoffeln gegessen und dazu noch eine dicke Scheibe Weissbrot. Die Gute wog auch so um die 120 kg, ich sass daneben und hab in einem Salat rumgestochert ;-)

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  3. Solche "Spätzle" gibt es hier auch. Nennen sich ganz schlicht Wasserspatzen und in einem kleinen Gnocchibüchlein habe ich kürzlich "Wassergnocchi" gefunden. Du siehst...am Monatsende geht wohl allen das Geld aus... :)

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    1. Liebe Sybille, im Elsass gibt es so etwas ähnliches, das heisst dann Wasserstriwla, aber die sind ohne Kartoffeln.

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  4. Also das wäre dann das auf Elsässisch, was der Schwabe Thaddäus Troll ein "inzestuöses Beilager" nannte (Spätzle mit Kartoffelbrei) ;-)

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  5. In ländlichen Gegenden der Schweiz gibt es in Gasthäusern auch etwas 'Geheiratetes', nämlich 'ghürotete Moscht', das ist ein Getränk aus Süssmost (Apfel) und vergorenem Most (Apfel), je zur Hälfte. Würde doch zu den geheirateten Spatzen-Kartoffeln passen.

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  6. ja doch, das schmeckt mir auch :-)

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  7. Liebe Gaby, dann darfst Du Dich mit meinem Mann an den Tisch setzen und meine Portion haben - ich bin davon nicht so begeistert - aber Liebe geht ja durch den Magen und daher kommt eines seiner Lieblingsessen halt in regelmässigen Abständen auf den Tisch.

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  8. Nach zwei Stunden Holz Hacken oder Laufen wuerde mir das sehr gut schmecken - mit viel Butter!

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    1. Liebe Eline, dann hättest Du Dir das auch redlich verdient. Ansonsten hilft vielleicht auch ein Verdauungsschnäpschen ;-)

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  9. Liebe Sabine, meine Oma, eine gebürtige Saarländerin, hat immer "Verheiratete" gemacht. Bei ihr waren sie allerdings in einer Brühe. Ich muss mal bei meinen Eltern nach dem Rezept forschen... Als Kind mochte ich sie nicht so, heute würde ich was dafür geben, sie nochmal essen zu dürfen... ;-)

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    1. Oh ja, forsche, lieber Dirk, solche Rezepte dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

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